HEADERIMAGE
 
back

 
11. January 2016   |   Comments Closed

«Wie Nebel und Nebelhorn zugleich»

Wolfgang Rihm (credit: Universal Edition / Eric-Marinitsch)

Wolfgang Rihm (credit: Universal Edition / Eric-Marinitsch)

Nächtliche Gedanken zum Hornkonzert: Wolfgang Rihm antwortet auf drei Fragen von Bernhard Günther

Sie komponieren gern für bestimmte Interpreten – im Januar 2016 kann man Ihr Hornkonzert für Stefan Dohr und ihr neues Klavierstück für Cathy Krier in der Philharmonie hören. Was macht es für Sie aus, zu wissen, wer Ihre Musik als Erster zum Klingen bringt?
Beim Komponieren selbst – also dem Vorgang des Erfindens – sind Gedanken an konkrete Personen, also auch an Interpreten mit ihren Eigenarten und speziellen Möglichkeiten, nicht im Vordergrund. Solche Gedanken und Vorstellungen können aber auslösend wirken, einen kompositorischen Prozess in Gang zu setzen. Der Prozess dann gehört ganz sich selbst. So glaube ich das wenigstens. Ich sitze ja nicht an einer Art geistigen Röntgengeräts, das mich während der Arbeit durchleuchtet. Beim Arbeiten muss ich die Sinne freihaben, um das Dunkel erfassen zu können, aus dem Kunst sich auswächst. Ist die Partitur dann fertig, beginne ich mich wieder auf die Realisation zu freuen, deren imaginierte Gestalt vielleicht auslösend am Anfang stand.

Welche Farben auf der jahrhundertealten Palette des Horns erscheinen Ihnen am frischesten, wenn Sie ein Konzert für Stefan Dohr komponieren – Mahlers Erste, Tschaikowskys Fünfte, Strauss’ September, Strawinskys Feuervogel, Schumann, Ligeti, Borodin, Brahms, Mozart, Händel…?
Das Horn ist für mich nächtlich, auch kreatürlich. Weniger das Instrument klug argumentierender Argumentation. Seine Klanggestalt hat für mich auch etwas Menschliches, wie vielleicht das Violoncello. Aber mehr als das Violoncello ist es fähig, signalhaft und verwoben zugleich zu sein. Manchmal ist es wie Nebel und Nebelhorn zugleich, Zeichen für einen Zustand und dieser Zustand selbst.

Ihr Hornkonzert ist vom Soloinstrument über die Oboe bis zum Cello ein wahres Fest des Singens – ganz ohne Sänger. Was prägt die Gesanglichkeit dieses Konzerts?
Je nun – mein Wunsch, Musik aus einer gesanglichen Grundströmung heraus zu entwickeln. Eigentlich gibt es keine Einzeltöne in der Wirklichkeit, denn immer gibt es einen Ton vor und einen nach jedem Ton. So lange wir auch auf ihn warten: noch der ‹kleinste›, kürzeste, hellste Ton stammt aus dem großen, tiefen, unendlichen Singen, dessen Bewegung am Grunde des Lebens fließt. Aber daran müssen wir nicht ständig denken. Unvorstellbar lange, ‹tonlose› Pausen singen auch. Wir sind also ständig besungen. Gefangen, aber auch aufgehoben. Beschützt, getragen. Eine interessante Vorstellung: der Mensch – verurteilt zum Gesang.

——-
Das Interview wurde am 04.01.2016 per Fax geführt.

Am 15.01. wird Stefan Dohr (Solohornist der Berliner Philharmoniker) Wolfgang Rihms Hornkonzert spielen. Aus Rihms Feder sind auch Drei Walzer zu erleben.

Im Rahmen ihres Konzertabends am 26.01. spielt Cathy Krier neben französischer Musik von Rameau über Ravel bis Dutilleux die Uraufführung der für sie komponierten Toccata capricciosa des Komponisten Wolfgang Rihm.



 

Philharmonie Luxembourg

Inaugurated in 2005, the Philharmonie Luxembourg now hosts over 400 events a year (classical music, jazz, world music, new music) and is one of Europe’s main concert halls. it is also the home of the Orchestre Phiilharmonique du Luxembourg.

About the Philharmonie

Categories

Archives


Copyright © 2010 Philharmonie Luxembourg | Powered by Wordpress ContactImprint